Selbstfürsorge – die neue Gesundheitsfürsorge?

Selbstfürsorge – die neue Gesundheitsfürsorge?

Egoismus ist verpönt. Wer sagt schon gern: “Ich bin mir selbst am wichtigsten. Erst danach kommen andere Menschen.”? Vielleicht wäre aber allen geholfen, wenn jeder von uns egoistischer handeln würde.

 

Selbstfürsorge – das Geheimnis für das Allgemeinwohl?

 

Neulich habe ich bei einem meiner Spaziergänge durch die Nachbarschaft folgenden Slogan auf einem Titelblatt entdeckt: Selfcare for Healthcare.

Nachdem ich zunächst erst einmal weiter gegangen bin, sind mir die Worte im Laufe des Tages nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Könnten wir tatsächlich anderen helfen, indem wir uns zunächst selbst helfen? Ist das nicht egoistisch, seine eigene Gesundheit vorzuziehen? Und wie kann eine Auszeit sogar manchmal dabei helfen, sich selbst und seinen Mitmenschen näher zu kommen?

Viel zu häufig suchen wir die Bestätigung im Äußeren. Wir versuchen es allen Recht zu machen, um selbst für unsere Fürsorge gelobt zu werden. Hier geht es also nicht in erster Linie um Nächstenliebe. Es geht um den verzweifelten Versuch, im Außen etwas zu bekommen, was im Innen nicht vorhanden ist.

Jahrelang habe ich geglaubt, ich müsste im Außen irgendetwas erreichen um endlich zufrieden mit mir sein zu können. Ich habe früher gemodelt und war sogar im Ausland tätig, hab einen Master-Abschluss mit Bestnote in der Psychologie gemacht, eine Yogalehrerausbildung absolviert und darüber hinaus noch einen tollen Job im Marketing ergattern können, doch all das hat mich nicht glücklich gemacht. Ganz im Gegenteil hat sich der Teufelskreis noch verschlimmert und mich immer weiter – von Innen nach Außen – ausgelaugt. Bis ich in die Ferne reiste und anfing mich selbst neu zu kreieren.

 

The reward for conformity is that everyone likes you but yourself.
– Rita Mae Brown

 


 

Wie wichtig manchmal eine Auszeit ist

 

Tatsächlich ist es in unserer schnelllebigen Welt so, dass wir manchmal aus unserem gewohnten Leben für eine gewisse Zeit lang aussteigen müssen, damit wir einen Schritt zurücktreten können. Um den Weg, auf dem wir uns aktuell befinden, deutlicher sehen zu können. Manchmal müssen wir sogar – am besten alleine – weit weg gehen (so wie ich es einmal im Jahr nach Bali mache), um den Blickwinkel auf unser Leben im wahrsten Sinne des Wortes mal wieder zu wechseln. Manchmal reicht es aber auch vollkommen aus sich einen kurzen Augenblick zu nehmen, um sich in den eigenen vier Wänden, weit weit weg von allen aktuellen Gedanken und Sorgen, zu “beamen”. Man benötige: ein wenig Mut und eine Matte.

Während meiner zwei Yoga Lehrerausbildungen durfte ich lernen, wie man nicht nur sich selbst, sondern auch anderen Selbstfürsorge und -liebe lehrt – eine erstaunliche Gabe, sich selbst zu heilen. Viel zu oft verbringe ich viel Zeit in meinem Leben damit mich um andere zu kümmern, etwas, das ich auch sehr gerne mache. Dennoch hat mich meine Vergangenheit und insbesondere meine Krankheit dazu gebracht, mich erst einmal um mich zu kümmern!

 

You’re always with yourself, so you might as well enjoy the company.
– Diane Von Furstenberg

 

So oft hatte ich mir in meinem Leben gesagt: Ich wünschte, ich könnte mich einfach nur hinsetzen und Nichts tun, nirgends sein müssen und Ruhe und Frieden finden. Mich für einen Moment lang von allem auf magische Weise wegzuzoomen um dem Alltagsstress zu entfliehen. Eine ehrliche Frage an dich an dieser Stelle: Wenn du in diesem Moment die Gelegenheit dazu hättest das Leben deiner Träume zu leben, würden du die Chance ergreifen?


 

Selbstfürsorge – Immer und Überall

 

Sich einfach mal wegzoomen..Genau diese Möglichkeit, dieses wundervolle Potential ist das wahre Versprechen von Yoga und Meditation. Jedoch scheint es zu einfach, um tatsächlich wahr und machbar zu sein. Wie kann man bloß seinen Körper im Rhythmus seines Atems bewegen, sich dann setzen, still werden, sich nur auf das Ein- und Ausatmen konzentrieren, um letztendlich die “Erleuchtung” zu spüren? Wer hätte gedacht, dass es tatsächlich so simpel – allerdings alles andere als einfach – ist. Denn du musst immer noch deine Zeit dafür investieren und die herausfordernde Arbeit selbst erledigen.

 

Wir alle lieben Gewohnheiten

 

Im Stillsitzen und einfach nur Sein, liegt meistens der schwierigste Teil. Das liegt daran, dass wir alle den größten Teil des Tages nicht in der Gegenwart leben, sondern von der Vergangenheit beherrscht werden. Unsere vergangenen Erfahrungen, Gedanken und Emotionen haben während unseres bisherigen Lebens in unserem Körper chemische Reaktionen hervorgerufen, die uns auf physischer Ebene beeinflusst haben. Das Unglaubliche: Wir speichern all diese früheren Erfahrungen (sowohl gute als auch schlechte) in jeder einzigen Zelle unseres Körpers. Demnach können unsere Gedanken, Gefühle, Emotionen und Erfahrungen sogar unsere DNA und somit unsere genetischen Bausteine beeinflussen (ein spannender wissenschaftlicher Zweig namens Epigenetik forscht gerade sehr intensiv zu diesem Thema). Durch diesen Prozess werden auch Gewohnheiten entwickelt. So wirkt sich unsere Vergangenheit jeden Tag aufs Neue auf unser Verhalten aus. Wir scheinen dazu bestimmt zu sein, die gleichen Emotionen zu wiederholen und dieselben Reaktionen auf Ereignisse zu haben, da sie in uns bereits vorprogrammiert sind.

 

In der Stille liegt die Kraft

 

Während meiner Auszeit habe ich nach und nach gelernt, dass Yoga und Meditation uns geradewegs in den gegenwärtigen Moment bringen können – wir müssen es nur zulassen. Sie können uns dabei helfen echte Freude zu erleben. Echte Freude mit uns ganz alleine zu erleben und uns ein Gefühl der Selbstliebe und daraus wachsendes Mitgefühl zu evozieren. Sie helfen uns dabei, uns daran zu erinnern, wer wir wirklich sind, die unbewussten Routinen unseres Gehirns zu verlassen und zu unserer wahren Kreativität und unserem Ziel – unserem persönlichen WARUM – aufzuwachen. Wir hören auf, der rastlose “Macher” zu sein und werden zum “Beobachter” des gegenwärtigen Augenblicks.

Ich erwähnte bereits eingangs die Entfernung, die dafür manchmal nötig ist. Aber warum müssen wir manchmal Tausende von Kilometern entfernt sein, um uns daran zu erinnern, wer wir wirklich sind?

Vielleicht ist es die Fähigkeit in der Ferne, unser Leben von einer ganz neuen Perspektive aus betrachten zu können. Wahrscheinlich geht es auch auf jene Muster zurück, die das einstudierte Programm, das unseren Körper bis in seinen biochemischen Aufbau kontrolliert, zu durchbrechen. Tritt man aus der Routine heraus beginnt der Geist zu erwachen. Es ist, als würde man sich plötzlich daran erinnern, dass man die Macht dafür die bestmögliche Version seiner selbst zu sein, bereits all die Jahre lang hatte. Ein großartiges, wunderschönes, erfüllendes Gefühl, dass ich nach meiner eignen Auszeit dann so gerne mit vielen anderen teilen möchte!


 

Wie Selbstfürsorge zum Allgemeinwohl beiträgt

 

Lasst uns nun zu meiner eigentlichen Frage zurückkehren: Könnten wir tatsächlich anderen helfen, indem wir uns zunächst selbst helfen? Ist das nicht egoistisch, seine eigene Gesundheit vorzuziehen?

Schon in der Bibel hieß es: „Liebe deinen nächsten wie dich selbst“. Leider ist der zweite Teil dieses überaus wichtigen Satzes über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten und übrig geblieben ist nur die Aufforderung, gut zu unseren Mitmenschen zu sein.

Uns um andere zu kümmern, haben wir alle meist gut gelernt. Das Wichtigste hierbei jedoch vergessen wir oft, weil wir es nie wirklich gelernt haben: uns um uns selbst zu kümmern. Die Folge: mit der Zeit fühlen wir uns ausgeschöpft und müde, enttäuscht und häufig sogar ungeliebt. Nicht selten sind wir am Ende sogar krank. Wir halten immer mehr Abstand von dem Menschen, der bis an unser Lebensende an uns haftet: uns selbst.

Wer sich nicht wirklich um sich selbst kümmert – liebevoll, achtsam, unterstützend, ermutigend – kann nicht erwarten, dass dies andere für ihn tun. Das ist deine ganz eigene persönliche Lebensaufgabe. Wie das gelingt?

Indem wir uns immer mal wieder Zeit für unser eigenes Wohl nehmen, können wir nach und nach tatsächlich auch zum Allgemeinwohl beitragen. Stell dir z.B. einmal vor, jeder Mensch würde sich zunächst einmal um sich selbst kümmern, bevor er sich den anderen widmet – wie es uns bei jedem Flug während der Sicherheitshinweise eingeprägt wird. Ich habe mich früher häufig gefragt, warum ich mir die Sauerstoffmaske erst über das eigene Gesicht ziehen soll, bevor ich meinem Sitznachbarn dabei helfe. Was wenn es es sich bei diesem um ein kleines hilfloses Kind oder eine alte Frau handelt? Heute erscheint es mir logisch: Wie sollten wir denn überhaupt in der Lage sein (ohne eigenen Sauerstoff) die Maske des anderen in die Hand zu nehmen, um diesem zu helfen? Wie könnten wir überhaupt so egoistisch sein?

 

A man cannot be comfortable without his own approval.”
– Mark Twain

 

Stimmungen färben ab – “Like attracts Like”

 

Wer hat das nicht schon einmal erlebt: Die Stimmung unserer Mitmenschen färbt auf uns ab und umgekehrt. So ist es kein Geheimnis, dass Lachen ansteckt. Wer sich mit positiven Menschen umgibt, ist selber besser gelaunt während traurige Menschen andere häufig ebenfalls in die Misere ziehen. So strahlen wir über beide Ohren, sobald uns ein Kleinkind fröhlich anlächelt und fangen an zu weinen, sobald wir eine traurige (oder schnulzige) Filmszene sehen. Dabei müssen wir den Personen nicht einmal nahe stehen. Ursächlich dafür sind die sogenannten Spiegelneuronen in unserem Gehirn, die uns dazu verleiten unser Gegenüber im wahrsten Sinne des Wortes wider zu spiegeln.

Im Klartext bedeutet dies, dass wir durch eine positive und gelassene Ausstrahlung auch gleichzeitig andere in unseren Bann ziehen können. Somit können wir mittels Selbstfürsorge tatsächlich zum Allgemeinwohl beitragen.

 

To love oneself is the beginning of a life-long romance
– Oscar Wilde

 

Seitdem ich weiß wie unglaublich wichtig mein eigenes Wohl für das Allgemeinwohl ist, nehme ich mir bewusst die Zeit, die ich brauche damit ich mein volles Potential für andere einsetzen kann. Du wirst überrascht sein wie bereits kleine Achtsamkeitsübungen im hektischen Alltag große Wunder erzeugen können. Falls du mehr zu diesem Thema oder meinen persönlichen “Tools” im hektischen Alltag wissen möchtest, scheue dich nicht mir eine Nachricht zu hinterlassen. 🙂

 

It is never too late to be what you might have been.
– George Eliot

 

 

Alles Liebe.

 

Deine Nila

 

PS: Wenn es dir manchmal schwer fällt für einen kleinen Moment glücklich zu sein, schaue dir dieses Video auf YouTube an.

Dort gibt es auch zahlreiche andere lustige Babyvideos, bei denen du gar nicht anders kannst als anfangen zu lachen 🙂 



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